»Wer zuletzt lacht...«
Ein Familiengottesdienst zum Thema »Osterlachen«

Thomas Reuter

Kommen ein Pfarrer und ein Busfahrer ans Himmelstor. Sagt Petrus zu dem Busfahrer: »Du darfst zuerst rein.« Der Pfarrer ist entsetzt, hat er doch sein ganzes Leben lang für Gott gearbeitet. »Tja« , erklärt Petrus ihm, »wenn du gepredigt hast, haben alle geschlafen. Aber wenn er gefahren ist, haben alle gebetet.«

Haben Sie schon einmal eine herzhaft lachende Gottesdienstgemeinde erlebt? In unseren Gemeinden ist maximal das »gepflegte Lächeln« anzutreffen. Kirche und Lachen? Glaube und Witze? Bibel und Humor? Fehlanzeige, weitgehend. Bis auf eine Ausnahme: das legendäre »Osterlachen« ( »risus paschalis« ). Was hat es damit auf sich? Ab dem 14. bis ins 17., teils ins 19. Jahrhundert hinein war das Osterlachen in unseren Kirchen fester Bestandteilösterlichen Brauchtums. Während der Ostergottesdienste bemühten sich Pfarrer, ihre Gemeinden zum Lachen zu bringen. Die Begründung: Mit ganzem Körpereinsatz sollte die Osterfreude verkündet, der Tod (der Teufel, die Hölle) verlacht werden. Da man darob offensichtlich nicht zu spontanen Lachsalven neigte, versuchten viele Pfarrer nachzuhelfen: Sie erzählten Witze und »Ostermärleins« (kleine, skurrile Geschichten) von der Kanzel. Es gab auch Auswüchse: ein Pfarrer soll, auf Rindermist liegend, die Geburt eines Kalbes imitiert haben... Immer wieder nutzten Pfarrer diese »Freiheit« auch, um ihrem Ärgerüber Vorgesetzte auf subtile Weise Luft zu machen. Ein Regensburger Erlass aus dem Jahre 1853 schließlich verbannte »Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures« endgültig von den Kanzeln.

Bleibt der Ansatz des Osterlachens: Die ganzheitliche Freudeüber die Auferstehung Jesu, den Sieg Gottesüber den Tod. Wie könnte man dies heute transportieren? Ein Versuch folgt:

Familiengottesdienst »Wer zuletzt lacht...«

Eingangslied Vorschlag
»Wir wollen alle fröhlich sein« (EG 100)
Lesung
Psalm 67 (von Kind gelesen)

Überleitung zur Aktion »Zettelnotiz« : »Die Völker freuen sich und jauchzen« , haben wir soeben gehört. Jauchzen? Wie klingt das? Kann das jemand vormachen? (Ob sich ein Gemeindeglied traut???) Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom »Osterlachen« gehört. Heute ist Ostern, und wir möchten Sie in diesem Gottesdienst gern zum Lachen bringen. Beginnen wir ganz einfach: »Vor Ihnen liegen Zettel und Stifte. Notieren Sie bitte, worüber Sie kürzlich herzhaft gelacht haben.« (dazu evtl. Orgelmusik; nach ausreichender Zeit sammeln die Kinder die Blätter ein. Ein Mitarbeiter sollte während der kommenden Minuten die Antworten sichten und etwa zehn »repräsentative« oder auch »erfrischende« auswählen, die später von Kindern vorgelesen werden.)

Überleitung zum Lachkanon Einige Ihrer Antworten werden später zu hören sein. Nun aber wollen wir versuchen, das Lachen in die Kirche zu holen, indem wir miteinander einen Kanon aufführen – ohne Noten und fast ohne Worte.

Erläuterung: Zunächst wird der »vierstimmige« Kanon mit der gesamten Gemeinde geübt. Ablauf:

  1. viermal in die Hände klatschen (in nicht zu schnellem Rhythmus)
  2. viermal auf die (eigenen?) Knie schlagen
  3. viermal auf den Boden stampfen
  4. aufstehen und im Rhythmus kurz und spitz »Ha! Ha! Ha! Ha!« rufen

Nun wird der Kanon in vier Gruppen zelebriert. Wichtig ist, bis vier vorzuzählen, klare Einsätze zu geben und evtl. das Metrum anzuzeigen. Es gibt keinen Schlussakkord, der Kanon endet vermutlich in Chaos und hoffentlich in Gelächter.

Spiel Achtung!
Dieses Spiel sollte nur eingesetzt werden, wenn Sie Ihre Gemeinde gut kennen und sicher sind, dass nicht pikiert reagiert wird.

Noch nicht alle Gesichter haben gestrahlt. Aber das kriegen wir hin. Kennen Sie das Spiel vom »armen, schwarzen Kater« ? Der arme, schwarze Kater sehnt sich nach Zuwendung und maunzt deshalb erbärmlich. Er versucht damit, Sie zum Lachen zu bringen. Gelingt ihm das, hat er gewonnen. Wir haben heute etliche schwarze Kater hier (Kinder kommen nach vorn, evtl. als Katzen geschminkt). Die werden sich gleich ein Opfer aussuchen und umschmeicheln. Aber denken Sie dran: Nicht lachen! Bleiben Sie schön ernst! (Spielaktion)

Lied Vorschlag:
»Hört ihr ´ s läuten« (S. 38, Verfasser unbekannt) Predigt zu Lukas 14,13-35

( »Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus« )

Liebe Gemeinde,

wir haben in diesem Ostergottesdienst versucht, Sie zum Lachen zu bringen. Möglicherweise dachten einige von Ihnen: »Was soll diese Alberei?« oder »Darf man in der Kirche eigentlich lauthals lachen?« Andere fanden es vielleicht auflockernd und lustig.

Aber nun wollen wir erst einmal hören, worüber Sie kürzlich gelacht haben. Die Kinder werden/Ich werde einige Ihrer Zettel vorlesen. (Kinder tun/Prediger tut dies.)

So gibt es unterschiedlichste Gelegenheiten, bei denen wir herzhaft lachen. In der Kirche allerdings passiert das selten. Gelächelt wird, geschmunzelt auch. Aber gelacht? Nicht umsonst sprechen wir vom »Heiden-Spa ß« . Dabei empfinden wir das Lachen an sich ja als etwas sehr Schönes. Schauen Sie! Ein ganzer Katalog voller lachender, manchmal auch grinsender Menschen (Versandhauskatalog vorblättern). Dinge verkaufen sich besser, wenn sie von fröhlichen Werbeträgern präsentiert werden. Wir registrieren dankbar lächelnde Verkäuferinnen und fröhliche Handwerker und begr üß en uns vor der Kirche oft lachend. Warum also gibt es in der Kirche zumeist ernste Gesichter und eine eher getragene Stimmung?

Die Antworten auf diese Frage sind vielfältig und teilweise schon recht alt. Der dänische Philosoph Sören Kierkegaard meinte, das Lachen habe im Christentum keinen Raum, weil das Leiden Jesu so stark betont werde. Andere Theologen mutmaßten, mit dem Lachen nehme man die Erlösung vorweg. Wieder andere gaben zu bedenken: „ Jesus hat auch nicht gelacht. Und in der Bibel gibt es keine witzigen Geschichten. “

Das Wort »lachen« kommt in der Bibel tatsächlich nur etwa 20mal vor – die Wörter »Freude, fröhlich, jauchzen« dafür um soöfter. Aber vielleicht sind uns die biblischen Geschichten auch schon so vertraut und geläufig, dass wir manch hintergründigen Humor gar nicht mehr wahrnehmen. Ich will Ihnen zwei Beispiele dafür nennen. In Sprüche 26,17 lesen wir »Wer vorübergeht und sich mengt in fremden Streit, der ist wie einer, der den Hund bei den Ohren zwackt.« Und zu den Pharisäern sagt Jesus im 23. Kapitel des Matthäus-Evangeliums: »Blinde Führer seid ihr. Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.« Natürlich werden die Umstehendenüber diese Worte geschmunzelt, wenn nicht gelacht haben. Dennoch – das Lachen ist in der Kirche nie recht heimisch geworden.

Bis auf eine Ausnahme. Im Mittelalter praktizierte man im Ostergottesdienst das »Osterlachen« . Mit ganzem Körpereinsatz sollte die Gemeinde den Tod auslachen, der von Gott besiegt worden war. Mit ganzem Körpereinsatz – heute sagen wir: ganzheitlich. Nun bricht man ja nicht auf Kommando in schallendes Gelächter aus. Also halfen die Pfarrer ein bisschen nach. Man erzählte Witze oder sonderbare Geschichten von der Kanzel. Von einem Pfarrer wird berichtet, er habe so lange »Kuckuck« gerufen, bis die Gemeinde endlich reagierte. Einziges Ziel dieser Anstrengungen war, die Gemeinde zum Lachen zu bringen. Einen meines Erachtens besonders gelungenen Versuch unternahm am Ostersonntag 1506 der Prediger zu Marchtal an der Donau. Er sprach von der Kanzel: »Liebe Männer, wer von euch Herr im Hause sei, sollte nun den Ostergesang `Christ ist erstanden ´ anstimmen.« Die Kirche blieb still. Nun rief er den Frauen die gleiche Bitte zu, und prompt sangen diese den Hymnus aus voller Kehle. An Schadenfreude wird es nicht gefehlt haben.

Die Albernheiten von der Kanzel nahmen aber manchmalüberhand, und so wurde Mitte des 19. Jahrhunderts der Brauch des Osterlachens offiziell unterbunden. Hier und dort bemüht man sich heute, das Osterlachen wieder zu beleben. Ob dies sinnvoll ist, darüber muss sich jeder sein eigenes Urteil bilden.

Dabei gibt es zu Ostern ja wirklich Freudeüber Freude. Wir hören eine Geschichte aus dem Lukas-Evangelium, aus der die Freude regelrecht hervorsprudelt. (Kind liest Lk 24,13-35 – Perikope von den Emmaus-Jüngern)

Die zwei Freunde hatten Bitteres erlebt. Ihre Hoffnung, ihre Zukunft war dahin. Jesus war tot, am Kreuz gestorben. Die beiden waren todtraurig. Sie nahmen auch die Frauen nicht ernst, die von dem leeren Grab und dem Engel berichtet hatten. Tief betrübt schlichen sie dahin. Es war Sonntag, der Tag der Heimkehr vom Passahfest, und der Heimweg in ihr Heimatdorf Emmaus dauerte um die zwei Stunden. Nur fort von Jerusalem, fort von all dem unheilvollen Geschehen, fort von den phantasierenden Frauen, fort von den trauernden Anhängern Jesu. Heim nach Emmaus, zurück ins alltägliche, gewohnte Leben. Sie hatten so viel investiert in diese Geschichte mit Jesus, jetzt blieb nur Enttäuschung und Trauer.

Da ist Jesus plötzlich bei ihnen – aber sie erkennen ihn nicht. Die Sache ist doch abgeschlossen, was soll da noch geschehen? Und nun tut Jesus zwei Dinge, die auch für uns heute als Gemeinde von zentraler Bedeutung sind: Er legt den beiden die Bibel aus und feiert das Abendmahl mit ihnen. Nicht die Nachricht vom leeren Grabüberzeugt die Jünger, dass Jesus lebt, sondern das Erfahren seiner Gegenwart in Wort und Sakrament. Dann ist Jesus wieder verschwunden – aber das ist eigentlich gar nicht mehr wichtig. Sie haben ihn ja erlebt! Kunstvoll beschreibt Lukas nun, wie sich die Geschichte regelrecht um 180 ° dreht: Erst traurig fort von Jerusalem, heim in den Alltag. Und nun das Gegenteil: Jubelnd hin nach Jerusalem, hinein ins volle Leben. Ich binüberzeugt, dass der Rückweg keine zwei Stunden dauerte.

Wenn das kein Grund zur Freude ist! Es ist die Freudeüberhaupt: Jesus lebt. Gott hat den Tod besiegt!

Das Wort »lachen« kommt in dieser Geschichte nicht vor. Aber Martin Luther hat es in unnachahmlicher Weise umschrieben: Den Jüngern „ gehen die Augen “ auf und »ihre Herzen brennen« . Das wünsche ich auch uns: dass unsere Herzen brennen mögen, weil wir wissen, dass Jesus den Todüberwunden hat. Amen.

Lied
»Hört das Lied der Osterglocken«
(S. 38, Jörn Philipp)

Schlusslied Vorschlag:
»Er ist erstanden, Halleluja« (EG 116)
»Mitgebsel« (wird von Kindern an die Gottesdienstbesucher verteilt)

Vorschlag: Im Vorfeld des Gottesdienstes gestalten die Kinder per Lebensmittelfarbe (gibt es in kleinen Tuben und verschiedenen Farben zu kaufen) runde Kekse als lachende Smileys. (Hinweis: Die Kekse sollten nichtübereinander gelegt werden, da sie sonst leicht miteinander verkleben können.)

Thomas Reuter, Bezirkskatechet in Zwickau

 

Download »Hört das Lied der Osterglocke« (pdf)
Download »Hört ihr´s läuten« (pdf)